Fantasie

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Fantasie

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Fan|ta|sie [fanta'zi:], die; -, Fantasien [fanta'zi:…ôn], Phantasie:
1. <ohne Plural> Fähigkeit, sich etwas in Gedanken auszumalen, etwas zu erfinden, sich auszudenken:
etwas regt die Fantasie an; es mangelt ihm an Fantasie; etwas beschäftigt die Fantasie der Menschen.
Syn.: ‚ÜĎ Einbildung.
2. nicht der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung als Produkt der Fantasie (1):
das ist nur eine Fantasie, ist reine Fantasie; die Fantasien der Dichterinnen, der Träumer.
Zus.: Traumfantasie.
3. (Med.) Fieberträume.
Zus.: Fieberfantasie.

* * *

Fan|ta|sie1 ‚Ć©f. 19‚Ć™ Musikst√ľck in freier Form [<ital. fantasia ‚ÄěPhantasie‚Äú]
‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ‚ÄĒ
Fan|ta|sie2 ‚Ć©f. 19‚Ć™ oV Phantasie
I ‚Ć©unz.‚Ć™ F√§higkeit, sich etwas auszudenken, sch√∂pfer. Denken, Einbildungskraft ‚óŹ Erzeugnis, Produkt, Spiel der \Fantasie; bl√ľhende ‚Ć©iron.‚Ć™, reiche, schmutzige \Fantasie; dichterische \Fantasie; er hat viel, wenig, keine \Fantasie; in seiner \Fantasie sah er sich schon als ber√ľhmten Naturforscher
II ‚Ć©z√§hlb.‚Ć™
1. Trugbild, Wahngebilde
2. Träumerei, vorgestelltes Bild
[<grch. phantasia ‚ÄěErscheinung, Aussehen, Vorstellung‚Äú; zu grch. phainein ‚Äěsichtbar machen‚Äú]

* * *

Fan|ta|sie , Phantasie, die; -, -n [mhd. fantasńęe < lat. phantasia < griech. phantasiÕÉa, zu: phant√°zesthai = erscheinen, zu: phaiÕÉnesthai, ‚ÜĎ Ph√§nomen]:
1.
a) <o. Pl.> F√§higkeit, Ged√§chtnisinhalte zu neuen Vorstellungen zu verkn√ľpfen, sich etw. in Gedanken auszumalen:
eine wilde, krankhafte, reiche F.;
F. haben;
keine, viel, wenig F. haben;
du hast eine schmutzige F. (stellst dir zu Unrecht etw. Unanständiges vor);
Musik regt die F. an, befl√ľgelt die F.;
eine ungewöhnliche F. entwickeln;
der F. freien Lauf lassen;
etw. entspringt jmds. F.;
ein Spiel, Gebilde der F.;
das ist nur in deiner F. so;
du hast ja eine bl√ľhende F.! (du √ľbertreibst ma√ülos!);
b) Produkt der Fantasie (1 a), (nicht der Wirklichkeit entsprechende) Vorstellung:
krankhafte, abgr√ľndige, sexuelle -n;
das ist reine F.
2. <Pl.> (Med.) Fiebertr√§ume; bei Bewusstseinstr√ľbungen wahrgenommene Trugbilder.
3. (nur: Fantasie; Musik) instrumentales Musikst√ľck mit freier, oft improvisations√§hnlicher Gestaltung ohne formale Bindung.

* * *

I
Fantasie,
 
in der Salon- und Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts anzutreffendes Instrumentalst√ľck ohne festgelegtes Formschema, oft aus einer Improvisation entstanden (Fantasie √ľber ein Lied, eine Opernarie usw.).
II
Fantasie
 
[zu griechisch phant√°zesthai ¬Ľerscheinen¬ę] die, -/...'si|en, Phantasie, ¬†
¬†1) Musik: italienisch Fantasia, frei gestaltetes Instrumentalst√ľck, das durch Spontaneit√§t des Einfalls, Ungebundenheit der Form und betont affektuosen oder expressiven Gestus gekennzeichnet ist und oft wie eine notenschriftlich fixierte Improvisation erscheint. Der Titel Fantasie begegnet zuerst im fr√ľhen 16. Jahrhundert in der Orgelmusik (H. Kotter, Tabulaturbuch 1513 ff.), dann - u. a. dem Ricercar benachbart - zunehmend in der Lautenmusik Spaniens (L. Milan), Italiens (Francesco da Milano) und Frankreichs (G. de Morlaye). Nach 1550 stand die italienische Musik f√ľr Tasteninstrumente im Mittelpunkt der Entwicklung, die, bereichert durch imitatorische Stimmbehandlung und kontrastierende Abschnitte, in den Fantasien von G. Frescobaldi (1608) einen ersten H√∂hepunkt fand. W√§hrend in England die eigenst√§ndige Fancy gepflegt wurde, ging die deutsche Entwicklung von den gro√üen, h√∂chst kunstvollen Fantasieformen des Niederl√§nders J. P. Sweelinck aus. Im protestantischen Raum bildete die Choralfantasie eine Sonderform. H√∂hepunkt der Gattung im Sp√§tbarock ist J. S. Bachs ¬ĽChromatische Fantasie¬ę (BWV 903) mit ihrer k√ľhnen Harmonik und klavieristischen Virtuosit√§t. Hier kn√ľpfte C. P. E. Bach mit seinen ¬ĽFreien Fantasien¬ę (1783 und 1785) an, die zum Inbegriff empfindsamer Expressivit√§t wurden und noch auf W. A. Mozarts Klavierfantasien (d-Moll K√∂chelverzeichnis 397 und c-Moll K√∂chelverzeichnis 475) ausstrahlten. In Werken wie L. van Beethovens Klaviersonaten Opus 27 Nummer 1 und 2 (je mit dem Untertitel ¬ĽSonata quasi una fantasia¬ę), F. Schuberts ¬ĽWandererfantasie¬ę (D 760) und R. Schumanns Fantasie C-Dur Opus 17 bestimmt ein poetischer Moment die Form. Eine andere Art von Fantasie des 19. Jahrhunderts benutzt bekannte Themen (z. B. aus Opern) als Grundlage freier Paraphrasen (F. Liszt). M. Regers gro√üe Orgelfantasie bekunden - wie auch etwa F. Busonis ¬ĽFantasia contrappuntistica¬ę (1910) - eine sch√∂pferische Auseinandersetzung mit J. S. Bach. Im 20. Jahrhundert ist der Titel Fantasie, au√üer in der Orgelmusik, seltener (A. Sch√∂nberg, Fantasie f√ľr Violine und Klavier Opus 47).
 
 
P. Schleuning: Die F., 2 Bde. (1971).
 
¬†2) Philosophie und Psychologie: Vorstellung und Vorstellungsverm√∂gen, das reproduktiv aus der Erinnerung, als freie Ausgestaltung der Erinnerungsinhalte oder als Neuproduktion anschaulicher Inhalte wirksam ist. Auf diese Weise ist Fantasie ein sch√∂pferisches Verm√∂gen, sich in andere als die gegebenen Situationen hineinzuversetzen und auch erinnerte oder gegebene Inhalte neuartig zu kombinieren. Fantasie wird oft mit Kreativit√§t, Einbildungskraft, Imagination gleichgesetzt, wobei die Fantasieproduktionen, im Unterschied zu kreativen Ideen, meistens unabh√§ngiger von den konkreten Aufgabenstellungen und Rahmenbedingungen der Lebenspraxis sind. Fantasie dient der allt√§glichen Problembew√§ltigung, greift als poetische Ausgestaltung √ľber die erlebte Wirklichkeit hinaus und liefert auch die individuellen und kollektiven Bilder und Schemata, nach denen die Wirklichkeit interpretiert wird. Fantasie enth√§lt rational-denkerische, bildhafte wie auch emotionale Elemente; kennzeichnend sind der spielerische und (im Unterschied zur Rationalit√§t) der von vorgegebenen Regeln weitgehend freie Vollzug. S. Freud deutete Fantasie als Wunscherf√ľllung, ¬Ľeine Korrektur der unbefriedigten Wirklichkeit¬ę und als Abbilder seelischer Str√∂mungen, die die bewusste Einstellung kompensieren. C. G. Jung hob die sch√∂pferische Leistung der Fantasie auch als Quelle der Kunst hervor, wobei die k√ľnstlerische Fantasie sich besonders durch Reichtum, Originalit√§t, Lebendigkeit und die Verbindung von Einf√§llen zu einer organisch-√§sthetischen Ganzheit auszeichnet. Anders als in der Fantasie geht nach allgemeiner Auffassung in der Fantastik das Bewusstsein der Irrealit√§t der vorgestellten Gebilde h√§ufig verloren.
 
In der griechischen Philosophie bezeichnete Fantasie zun√§chst ¬ĽErscheinung¬ę und ¬ĽSchein¬ę (Platon); Aristoteles fasste sie dagegen als ein eigenes zwischen Sinneswahrnehmung und Denken gestelltes Seelenverm√∂gen auf, das die sinnlichen Elemente zur Veranschaulichung des in reiner Form gedachten Allgemeinen liefert. Als ein zentraler Begriff der stoischen Handlungs- und Erkenntnistheorie bedeutete Fantasie die ¬ĽVorstellung¬ę und ¬Ľproduktive Einbildungskraft¬ę. M. de Montaigne bestimmte sie sp√§ter in seinen moralphilosophischen Betrachtungen sowohl als Quelle aller menschlichen Leidenschaften wie auch als Mittel der Selbsterkenntnis. C. Wolff fasste die reproduktive wie die produktive Vorstellung als ¬ĽPhantasma¬ę zusammen, und Goethe forderte gegen J. N. Tetens und I. Kant, neben den angenommenen drei Grundverm√∂gen der Seele (Denken, F√ľhlen, Wollen) die Fantasie als viertes gleichrangig anzuerkennen. Die Empiristen bestreiten, dass es im strengen Sinn Neusch√∂pfungen der Fantasie geben k√∂nne, die √ľber eine neuartige Kombination oder Umgruppierung des durch die Sinne Erfahrenen hinausgehen. Jedoch widerspricht dem die Tatsache der denkerischen, logischen, mathematischen und besonders der k√ľnstlerischen Fantasie.
 
Die h√∂heren, komplexen Leistungen der Fantasie liegen in einer virtuellen Steigerung und Ausweitung des gesamten Erlebnisraums. Fantasie ist die Bedingung aller sch√∂pferischen Arbeit. Sie hilft die Gewohnheiten der Wahrnehmung, des Denkens und Handelns aufzubrechen und damit neue Sacherfahrungen zu gewinnen. Die Bedeutung der Fantasie f√ľr die Kunst wurde insbesondere auch von der Romantik betont, so von Jean Paul (¬ĽVorschule der √Ąsthetik¬ę); sch√∂pferische Fantasie galt schon Kant als das Merkmal des Genies.
 
Insofern die reproduktive (z. B. Inhalte der Kunst nachvollziehende) oder die aktiv gestaltende Fantasie dem Individuum auch den Zugang zu Hoffnungen und eigenen Ausdrucksformen er√∂ffnet, die √ľber sein Bestimmtsein durch vorfindliche Gegebenheiten und die Umwelt (gepr√§gte Denk- und Verhaltensmuster, Normen, Rollenerwartungen) hinausgreifen, tr√§gt sie wesentlich zur Bildung einer autonomen und kritischen Pers√∂nlichkeit bei. Auch in der Erziehung kommt somit der F√∂rderung der Fantasie, etwa durch (Fantasie-)Spiel, Zeichnen, Erz√§hlen, Musik, Anregung zur Suche vielf√§ltiger oder von der Norm abweichender L√∂sungen von Aufgaben eine gro√üe Bedeutung zu. - Im Zusammenhang der Bewusstmachung und Ver√§nderung von Einstellungen und Verhaltensweisen hat die Fantasie (etwa als freies Assoziieren oder, vorgegebene Themen gestaltend, als ¬Ľaktive Imagination¬ę, auch als Rollenspiel) eine hohe therapeutische Bedeutung in der Psychologie.
 
 
H. Kunz: Die anthropolog. Bedeutung der Phantasie, 2 Bde. (Basel 1946);
 L. Lahrmann: Phantasie u. elementares Lernen (1972);
 J.-P. Sartre: Das Imaginäre (a. d. Frz., Neuausg. 1980);
 R. Guth: Das Prinzip Phantasie. Ein Gespräch zw. theolog. Ethik u. Lit.-Wiss. (Wien 1987);
 D. Kamper: Zur Gesch. der Einbildungskraft (1990);
 
Kindl. Phantasie u. ästhet. Erfahrung, hg. v. L. Duncker u. a. (1990);
 E. Grassi: Die Macht der Phantasie (Neuausg. 1991);
 V. Kast: Imagination als Raum der Freiheit (Neuausg. 1995);
 S. Freud: Die Traumdeutung (Neuausg. 30.-35. Tsd. 1996).

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Fan|ta|sie, (auch:) Phantasie, die; -, -n [mhd. fantasńęe < lat. phantasia < griech. phantas√≠a, zu: phant√°zesthai = erscheinen, zu: pha√≠nesthai, ‚ÜĎPh√§nomen]: 1. a) <o. Pl.> F√§higkeit, Ged√§chtnisinhalte zu neuen Vorstellungen zu verkn√ľpfen, sich etw. in Gedanken auszumalen: eine starke, wilde, krankhafte, sch√∂pferische, fruchtbare, reiche F.; an dieser Geschichte entz√ľndete sich seine kindliche, dichterische F.; Phantasie braucht Nahrung. Unsere Augen suchen sie (Amendt, Sexbuch 18); F. haben; keine, viel, wenig F. haben; du hast eine schmutzige F. (stellst dir zu Unrecht etw. Unanst√§ndiges vor); Musik regt die F. an, erregt, befl√ľgelt die F.; eine ungew√∂hnliche F. entwickeln; Schlie√ülich kannte ich die allzu leicht entflammbare Phantasie klerikaler Schreiber (Stern, Mann 21); der F. die Z√ľgel schie√üen lassen, freien Lauf lassen; etw. entspringt jmds. F.; ein Spiel, Gebilde der F.; das ist nur in deiner F. so; in seiner F. sah er sich schon als Abteilungsleiter; du hast ja eine bl√ľhende F.! (du √ľbertreibst ma√ülos!); b) Produkt der ‚ÜĎFantasie (1 a), (nicht der Wirklichkeit entsprechende) Vorstellung: krankhafte, finstere, abgr√ľndige -n; Alle meine sexuellen Phantasien drehen sich sonst um Frauen (Wolff [√úbers.], Bisexualit√§t 163); das ist reine F.; sie ergeht sich in wunderlichen -n. 2. <Pl.> (Med.) Fiebertr√§ume; bei Bewusstseinstr√ľbungen wahrgenommene Trugbilder. 3. (Musik) instrumentales Musikst√ľck mit freier, oft improvisations√§hnlicher Gestaltung ohne formale Bindung.

Universal-Lexikon. 2012.

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